Hereinspaziert zur Zitat-Parade: “Die drei ??? und die schwarze Katze” beim Vollplaybacktheater

„Wir haben jetzt endlich Zeit, uns mit der schwarzen Katze zu beschäftigen. Miez, miez, miez“, sagt Peter Shaw und fängt auch gleich an, dieselbe auf seinem Arm innig durchzuknuddeln. Allerliebst – seltsam nur: Der Fall „Die drei Fragezeichen und die schwarze Katze“ ist gerade in Wahrheit schon zu Ende; und die vergangenen zwei Stunden standen natürlich bereits im Zeichen des Titel-Tiers. Peter selbst hat dabei eine quicklebendige, ein paar Nummern größere und gefährlichere „Katze“ in einer komischen Glanznummer mit geübten Kampfgriffen eigenhändig auf die Matte geschickt. Klarer Fall: Es war Zeit fürs Vollplaybacktheater.

Es wäre ja einigermaßen unsinnig, darüber zu klagen, dass die „eigentliche“ Story in der VPT-Version auch bei der Schwarzen Katze immer wieder aus dem Blick gerät – die Handlung also um den „einzigartigen Gabbo“, einen maskierten Artisten, der Stoffkatzen stiehlt und sammelt, weil in einer von ihnen ein Schatz versteckt ist. Zwar hört man unter den Zuschauern immer noch und immer wieder kritische Stimmen wie diese, wenn die Truppe die drei Detektive aus Rocky Beach oder andere Hörspiele auf die Bühne bringt. Aber die Shows von „SupaKnut“, Britta Lemon und Konsorten sind nun einmal längst etwas ganz Eigenes: ein Assoziations-Spektakel, das auf unseren kollektiven popkulturellen Hintergrund abzielt.

Doch grau ist alle Theorie – bunt und schrill dagegen war’s wieder einmal, was die umtriebigen VPTler sich haben einfallen lassen und aktionsreich auf die Bühne brachten (es war übrigens die der heimischen Rudolf-Steiner-Schule – nach Auftritten des Ensembles quer durch die Republik). Bunt umso mehr deshalb, weil der Fall Die drei ??? und die schwarze Katze im Zirkus-Milieu spielt und dementsprechend farbenfroh anzuschauen ist – von der schönen Zelt-Kulisse bis zum vorlagen-gemäß diebischen Clown. Letzterer allerdings hat erschreckende Ähnlichkeit mit „Es“ (oder sagt man „Ihm“?), der Horrorfigur bei Stephen King; und ähnlich finden über Aufhänger aus dem eingespielten Originalhörspiel Timm Thaler, Spongebob und Wladimir Putin ebenso wie mancherlei Musik- und Filmzitat ungeahnt Eingang in die Fragezeichen-Welt (manchmal auch nicht ganz so ungeahnt).

Als Justus, Peter und Bob zum Beispiel einer geheimnisvollen Zeitungsanzeige nachgehen und darauf einen zunächst Unbekannten beobachten, wie er sich gegen fürstlichen Lohn Dutzende von Stoffkatzen vorlegen lässt: Da gerät die Szene zum Stelldichein der verschiedensten „kätzischen“ Anwärter – nicht alle bringen Katzen mit, andere versuchen ihr Glück auch mit nicht näher zu bezeichnenden „Pussys“ oder mit dem „Möter – halb Mensch, halb Köter“, Mr. Prentice entläuft kurzfristig dem ???-Fall „Der Karpatenhund“ und bietet dem Fremden ebendenselbigen Kristall-Kläffer an… und Catwoman? Sich selbst.

Und doch: Wenn nicht alles täuscht, gerät an einem Abend wie diesem in der Tat etwas ins Hintertreffen – nicht gerade weil man bisher keine Zeit gehabt hätte, wie ja der Zweite Detektiv im Eingangszitat vermutete. Vielleicht aber: weil sich die Zeiten ändern. Ob konkret im Konzept der Macher oder aber gefühlt in der Wahrnehmung des treuen Zuschauers: Die Assoziations-Show wirkt heute dominant gegenüber einem Phänomen, das die Kombination „??? und VPT“ besonders spannend gemacht hat – der Parodie als Hommage.
Denn im Publikum des Vollplaybacktheaters fanden sich ja von Anfang an gar nicht so wenige erklärte Hardcore-Fans der drei Hobby-Detektive, die aber (oder gerade deshalb) schmunzeln konnten, wenn ihre Helden mit ihren jeweiligen Macken gnadenlos lächerlich gemacht wurden. Dies kommt zwar weiterhin vor: Die altbekannte Angeberei der „Offiziellen Mitarbeiter der Polizei von Rocky Beach“ etwa, die jedem ständig „hier: unsere Karte!“ aufnötigen, ist ja schon ein Running Gag; und hier findet sie sich augenzwinkernd wieder beim heimlichen Privatermittler Paul Hartney, der sich als „Artist und Kraftmensch“ vorstellt – und zwar sehr ernsthaft per Ausweis. Aber Hauptprinzip scheint inzwischen zu sein, am roten Faden der Hörspiele eine (unterhaltsame) Parade aus Querverweisen zu präsentieren.

Ein Erlebnis bleibt das Ganze trotzdem für jeden, der verrückte Anspielungen und Mut zur Albernheit mag – und: Puristen, die bei den Hörspielen allen Ernstes so etwas wie „Werktreue“ verlangen, sind beim Vollplaybacktheater eh noch nie so ganz glücklich geworden.

 

 

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